Gerd-Lothar Reschke

Bücher

Leserstimme zum Buch "IDEENMAGAZIN"

Ein Buch nur für Ehrliche

... das "Ideenmagazin": Ich kam wochenlang nicht über einen gewissen Punkt hinaus, es widerte mich an, es war anstrengend, unbequem, jedesmal wenn ich das Buch zur Hand nahm, konnte ich nicht einschlafen. In den letzten Wochen haben sich bei mir einige Dinge geklärt, entwirrt und siehe da, ich bin endlich über das Kapitel "Bonsais" hinaus gekommen.

Das hat mit mir zu tun und der Wirkung des Buches auf mich. Nicht weil GL das schreibt, was er schreibt, sondern weil das was er schreibt bei mir eine Wirkung hervorruft, etwas berührt. Dabei sind die Themen unwichtig, es könnte auch um die Fortpflanzungsgeschichte der Seelöwen gehen. Es ist das dahinter liegende, die eigentliche Aussage, die mich betroffen macht und sich in jedem Artikel, in jedem Thema wiederfindet. Das war so, als nähme jemand das Buch und würde es mir dauernd um die Ohren hauen: "Aufwachen!!!" Es ist ein Buch nur für Ehrliche (deshalb lag es bei mir auch lange Zeit nicht weitergelesen). Wenn man sich auf dieses "Gelbe Ding" einläßt, dann muß man bereit sein. Entweder man konsumiert es als seichte Lektüre, als nettes Gedankenspiel (wie ich vor einigen Jahren im Internet), oder es tut weh, kratzt auf, hält schlaflos (ich wollte erst "rüttelt wach" schreiben, aber das ist zu vermessen). Da es in viele Lebensbereiche hineinstrahlt, kommt kaum jemand umhin, sich nicht betroffen zu fühlen, Ernsthaftigkeit und Wahrhaftigkeit vorausgesetzt.

Hinzu kommt ein eher äußerlicher Aspekt, aber dennoch wichtig: Die Sprache! Es ist Deutsch, was sich noch des Wortschatzes, den diese Sprache liefert, bedient und nicht aus Verständlichkeitsgründen dem Zeitgeist opfert. Dieses Buch wird vermutlich kein Bestseller, denn es ist unbequem oder unverständlich, je nach Einstellung und Offenheit des Lesers. Es ist ein Buch, was gegenüber Tagebuchveröffentlichungen den Vorteil der Verallgemeinerung genießt. Damit gibt es kein Entkommen!

Ich habe das Buch als dauernde Erinnerung an mein schlechtes Gewissen empfunden. Ich wurde erinnert an unerledigte Dinge, die überhaupt nicht Gegenstand des Buches waren. Ich habe mir das Buch bestellt, obwohl ich fast alle Texte bei mir gespeichert hatte. Es gab keine Alternative. Denn mein Verstand sprach mich zunächst an und ließ es wegen der gerade genannten Verallgemeinerung zu. "Da kann Dir nicht viel passieren, das betrifft Dich ja nicht". Denkst du! Kaum hatte ich das Papier in der Hand wurde es ungemütlich. Kein schnelles Überspringen per Mausklick, mühsames Legen von Lesezeichen. Dann der oben beschriebene Effekt. Es hat etwas mit Willen, aber auf einer ganz anderen Ebene als landläufig verstanden, zu tun. Man muß dieses Buch lesen wollen, sich einlassen, und darin liegt die Krux. Unbequemer IHK-Beitrag, muß denn der Autor genau das beschreiben, was ich in meiner eigenen Berufstätigkeit schon lange empfinde? (wobei das noch für mich gar nicht ausschlaggebend war). Es sind vielmehr die "inneren Hausarbeiten", wie ich es mal nennen will, die gemacht werden wollen, wo Gefühle hinter stehen, wo die Wahrheit ans Licht drängt, ohne vom Verstand gefragt worden zu sein.

Es sind die kurzen Momente, die aufblitzen, die einem den Abend, den Tag, die Lektüre "verderben". Die kurzen lichten Momente, die mich hinab, hinauf, wo auch immer hin führen und dermaßen unbequem sind, dass sie nachwirken. Dann liege ich da, mit meiner "perfekten Entspannung", und nichts entspannt sich, alles zieht sich zusammen auf den Punkt, auf den einen, der unerledigt ist. Dann gibt es keine Flucht, keine Atmung — jedenfalls nicht, wenn man es nicht als Ablenkung betreibt. Dann stört so ein gelbes Buch, bohrt in der Wunde, läßt mich nicht ruhen.

Frank H. Dürkopf

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